AMR & Intralogistik
6 Fragen & Antworten
AMR (Autonomous Mobile Robot) und AGV (Automated Guided Vehicle) werden oft verwechselt, unterscheiden sich aber grundlegend:
AGV (Automated Guided Vehicle):
- Folgt festen Pfaden (Magnetstreifen, Induktionsschleifen, Linien auf dem Boden)
- Kann Hindernissen nicht ausweichen – bleibt stehen und wartet
- Einfachere Sensorik, geringere Rechenleistung
- Kostengünstiger in der Anschaffung (ab ca. 20.000 EUR)
- Infrastrukturanpassung nötig (Bodenmarkierungen, Reflektoren)
AMR (Autonomous Mobile Robot):
- Navigiert frei per SLAM (Simultaneous Localization and Mapping)
- Umfährt Hindernisse dynamisch und plant alternative Routen
- Nutzt LiDAR, Kameras, ToF-Sensoren und KI
- Höhere Anschaffungskosten (ab ca. 25.000-40.000 EUR)
- Keine Infrastrukturanpassung nötig – sofort einsetzbar
Wann was wählen?
- AGV: Feste, vorhersehbare Routen in kontrollierten Umgebungen (z.B. Produktionslinien)
- AMR: Dynamische Umgebungen mit wechselnden Layouts (z.B. Lager mit sich änderndem Bestand)
Lesen Sie unseren ausführlichen Wissensartikel zu AMR vs. AGV für eine detaillierte Gegenüber stellung.
Die Kosten für AMRs im Intralogistikbereich setzen sich aus mehreren Komponenten zusammen:
Anschaffungskosten pro Einheit:
- Leichte AMRs (bis 100 kg Nutzlast): 25.000-50.000 EUR
- Mittlere AMRs (100-500 kg): 40.000-80.000 EUR
- Schwere AMRs/Gabelstapler (500-1.500 kg): 80.000-180.000 EUR
- Paletten-AMRs (bis 2.000 kg): 60.000-120.000 EUR
Zusätzliche Kosten:
- Flottenmanagement-Software: 5.000-20.000 EUR/Jahr
- Integration in WMS/ERP: 10.000-50.000 EUR (einmalig)
- Mapping und Inbetriebnahme: 3.000-10.000 EUR
- Jährliche Wartung: 5-8% des Anschaffungspreises
- Ersatzteile und Batterie-Austausch: ca. 3-5% jährlich
Gesamtkosten eines 5er-Flotten-Setups (mittlere Klasse): Ca. 250.000-450.000 EUR im ersten Jahr, danach ca. 30.000-50.000 EUR/Jahr Betriebskosten.
Vergleichen Sie AMR-Modelle nach Nutzlast und Preis im Botomix-Katalog.
Die Implementierungsdauer hängt von der Komplexität ab:
Typische Projektphasen:
Beratung & Planung (2-4 Wochen):
- Analyse der Ist-Prozesse und Anforderungen
- Auswahl der AMR-Modelle und Flottengrösse
- ROI-Berechnung und Projektplanung
Mapping & Konfiguration (1-2 Wochen):
- Erstellung der digitalen Umgebungskarte
- Definition von Routen, Pick-up- und Drop-off-Zonen
- Konfiguration der Verkehrsregeln
Integration (2-6 Wochen):
- Anbindung an WMS/ERP-System
- API-Integration für Auftragsübergabe
- Flottenmanagement-Setup
Test & Optimierung (2-4 Wochen):
- Parallelbetrieb mit bestehenden Prozessen
- Routenoptimierung und Feinabstimmung
- Mitarbeiterschulung
Gesamtdauer:
- Einfaches Setup (1-3 AMRs, keine WMS-Integration): 4-6 Wochen
- Mittleres Projekt (5-10 AMRs, WMS-Integration): 8-14 Wochen
- Grossprojekt (10+ AMRs, volle ERP-Integration): 3-6 Monate
Nutzen Sie den Botomix Roboter-Finder für eine erste Bedarfsanalyse.
Ein grosser Vorteil von AMRs gegenüber AGVs ist der geringe Infrastrukturbedarf:
Minimale Anforderungen:
- WLAN: Stabile 5-GHz-Abdeckung im gesamten Einsatzbereich (Empfehlung: dediziertes WLAN-Netz für Roboter)
- Ebener Boden: Maximale Unebenheit je nach Modell 5-15 mm, Steigung bis 5-8%
- Ladestationen: Pro 3-5 Roboter eine Ladestation, an 230V-Steckdose
- Mindestgangbreite: Je nach Modell 80-150 cm
Empfohlene Zusatzinfrastruktur:
- Server für Flottenmanagement: On-Premise oder Cloud (die meisten Hersteller bieten Cloud-Lösungen)
- Netzwerk-Redundanz: Für produktionskritische Einsätze
- Not-Aus-Taster: An strategischen Punkten im Einsatzgebiet
Was NICHT benötigt wird (anders als bei AGVs):
- Keine Magnetstreifen oder Bodenmarkierungen
- Keine Reflektoren an den Wänden
- Keine baulichen Veränderungen
- Kein spezieller Bodenbelag
Die technischen Anforderungen jedes AMR-Modells finden Sie auf den Detailseiten bei Botomix.
Die benötigte Flottengrösse hängt von mehreren Parametern ab:
Berechnungsfaktoren:
- Transportvolumen: Anzahl der Transporte pro Stunde/Tag
- Durchschnittliche Fahrstrecke: Entfernung zwischen Pick-up und Drop-off
- Geschwindigkeit: Typisch 1,0-2,0 m/s (beladen), 1,5-2,5 m/s (leer)
- Be-/Entladezeit: 15-60 Sekunden pro Stopp
- Ladezeit vs. Laufzeit: Typisch 6-8h Laufzeit, 2-4h Laden
Faustformel:
Roboter = (Transporte/h x Zykluszeit in Min.) / 60 x 1,3 (Sicherheitsfaktor)
Beispiel:
- 40 Transporte pro Stunde
- Durchschnittliche Zykluszeit: 8 Minuten (Fahrt + Be-/Entladung)
- Berechnung: (40 x 8) / 60 x 1,3 = 7 AMRs
- Plus 1-2 Reserve für Ladezyklen = 8-9 AMRs insgesamt
Empfehlung: Starten Sie mit einer kleineren Flotte und skalieren Sie nach Bedarf. Die meisten AMR-Systeme sind modular erweiterbar.
Auf Botomix können Sie AMRs nach Nutzlast und Geschwindigkeit filtern und vergleichen.
Ja, die Integration mit Warehouse Management Systemen (WMS) ist ein Kernmerkmal moderner AMRs:
Gängige Integrationsarten:
- REST-API: Die meisten AMR-Hersteller bieten offene REST-APIs für die Auftragsübergabe
- MQTT/ROS: Für Echtzeit-Kommunikation und IoT-Integration
- VDA 5050: Standardisiertes Protokoll für die Kommunikation zwischen AMRs und Leitsteuerungen (besonders in DACH verbreitet)
- Middleware: Hersteller wie SAP, Oracle und JDA bieten Robotik-Konnektoren
Unterstützte WMS-Systeme (häufig): SAP EWM, Oracle WMS, Manhattan Associates, Blü Yonder, Korber (ehemals Aberle), proLogistik, PSIwms und viele weitere.
Typische Integrationstiefe:
- Basis: AMR erhält Fahraufträge vom WMS (Start/Ziel)
- Mittel: Bidirektionale Kommunikation, Statusupdates in Echtzeit
- Voll: AMR-Daten fliessen in WMS-Optimierung, dynamische Priorisierung
Die Integrationsfähigkeiten jedes Modells finden Sie auf den Botomix-Detailseiten unter "Konnektivität".